Der Mythos, Bambusstoff bestehe direkt aus Bambusfasern
Kurze Antwort: Der weiche Bambusstoff in Unterwäsche und Bettwäsche ist fast immer Viskose aus Bambus. Die rohen Fasern der Pflanze sind steif und grob, deshalb werden sie aufgelöst und zu einer neuen, glatten Faser versponnen, bevor daraus Kleidung entsteht.
Was Bambus als Pflanze ist
Bambus ist ein Gras mit harten, holzartigen Halmen. Die Halme bestehen aus Zellulose, Lignin und weiteren Stoffen, die der Pflanze Festigkeit geben. Versucht man, Fasern direkt aus dem Halm zu lösen, erhält man kurze und steife Fäden, die eher an groben Leinen oder Hanf erinnern. Solche Fasern eignen sich für Matten, Seile und Papier, aber sie haben wenig mit dem geschmeidigen Stoff zu tun, den man von weicher Unterwäsche kennt.
So wird Bambus zu Viskose
Damit eine weiche Faser entsteht, wird die Bambusmasse chemisch behandelt, sodass sich die Zellulose zu einer zähen Flüssigkeit löst. Diese Flüssigkeit wird durch feine Düsen gepresst und erstarrt zu langen, gleichmäßigen Fäden. Es ist dasselbe Grundverfahren wie bei Viskose aus Buchen oder Eukalyptusholz. Das Ergebnis ist eine regenerierte Zellulosefaser, in der die ursprüngliche Struktur der Pflanze verschwunden ist. Deshalb steht auf dem Etikett meist Viskose aus Bambus.
Warum sich der Stoff so glatt anfühlt
Weil die Faser aus einer Flüssigkeit gesponnen wird, hat sie eine ebenmäßige Oberfläche ohne die kleinen Schuppen und Unebenheiten natürlicher Fasern. Das ergibt einen Stoff mit weichem Fall und einem leicht kühlen Gefühl auf der Haut. Darum ist das Material beliebt für Kleidung, die eng am Körper sitzt, etwa Unterhosen aus Bambus für Männer, bei denen Glätte und Passform wichtiger sind als Steifheit.
Gibt es mechanisch hergestellten Bambusstoff
Ja, aber selten. Bei der mechanischen Verarbeitung werden die Halme zerkleinert und mit Enzymen behandelt, damit sich die Fasern auskämmen lassen. Das Verfahren ist langsam und teuer, und der Stoff wird gröber und leinenartig. Man findet ihn meist unter dem Namen Bambusleinen. Der größte Teil der Bambuskleidung im Handel ist daher Viskose, und das ist völlig in Ordnung, solange man weiß, was man kauft, und das Etikett richtig liest.
Worauf Sie beim Etikett achten sollten
Nach EU-Recht muss das Pflegeetikett die Faserart angeben. Steht dort Viskose, Lyocell oder Modal aus Bambus, handelt es sich um eine regenerierte Faser. Oft ist zusätzlich etwas Elasthan enthalten, das dem Stoff Rücksprungkraft gibt. Das gilt für Kleidung ebenso wie für Textilien im Haushalt, zum Beispiel Haus und Heimtextilien aus Bambus. Das Etikett sagt mehr aus als Begriffe wie natürlich oder rein auf der Verpackung.
Warum sich der Mythos hält
Das Wort Bambus weckt Bilder einer grünen Pflanze, und man glaubt leicht, der Stoff bestehe einfach aus verwebten Pflanzenfasern. In Wirklichkeit steckt ein industrielles Verfahren dahinter, was den Stoff aber nicht schlechter macht. Die Eigenschaften kommen eben von der Form und der Verarbeitung der Faser. Marken wie Nordic Weaving arbeiten mit genau solchen Fasern, und die Verarbeitung sorgt für die weiche Oberfläche.
Häufig gestellte Fragen
Ist Bambusviskose ein Naturmaterial
Der Rohstoff ist eine Pflanze, die Faser wird jedoch industriell hergestellt. Sie gehört daher zu den regenerierten Fasern, wie gewöhnliche Viskose und Modal.
Was unterscheidet Viskose und Lyocell aus Bambus
Beide sind regenerierte Zellulosefasern. Lyocell wird mit einem anderen Lösungsmittel in einem geschlossenen Kreislauf hergestellt und ergibt oft eine etwas festere Faser.
Spürt man einen Unterschied zwischen Bambusviskose und normaler Viskose
Der Unterschied ist gering, da die Fasern gleich aufgebaut sind. Gewicht, Strickart und Ausrüstung des Stoffes prägen das Gefühl stärker als der Rohstoff.
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