Warum Zickzack funktioniert und gerade Stiche nicht
Kurze Antwort: Ein Zickzackstich legt mehr Faden auf dieselbe Strecke. Dieser zusätzliche Faden ist die Reserve, die der Stoff braucht, wenn er sich dehnt. Ein gerader Stich hat keine Reserve und ist deshalb der schwächste Teil einer Naht in gestricktem Stoff.
Die Rechnung
Ein Zickzackstich mit zwei Millimetern Breite braucht etwa dreißig Prozent mehr Faden als ein gerader Stich über dieselbe Strecke. Diese dreißig Prozent sind genau die Dehnbarkeit, die ein gewöhnlicher Jerseystoff braucht. Das ist kein Zufall, sondern der Grund, warum Zickzack die Standardwahl für Strick ist.
Was ohne die Reserve passiert
Ohne Reserve wird der Faden zum schwächsten Glied. Bei der ersten kräftigen Bewegung reißt er, und weil Nähgarn ein einziger langer Faden ist, läuft die Naht auf der ganzen Länge auf. Das ähnelt einer Laufmasche in einer Strumpfhose: Ist ein Stich weg, folgen die nächsten, bis die ganze Reihe offen ist.
Warum der Faden das schwächste Glied ist
Der Stoff ist dazu gemacht, nachzugeben, normales Nähgarn dagegen nicht. Der Faden bekommt deshalb die ganze Belastung, wenn der Stoff gedehnt wird. Das gilt besonders an Stellen, an denen du dich viel bewegst, etwa an Ellbogen, Knien und im Schritt. Hier ist eine Naht ohne Reserve dazu verurteilt aufzugeben. Sieh dir Bambus-Kapuzenpullover für Herren an.
Wo du es an fertiger Kleidung siehst
Drehe ein beliebiges T-Shirt um und sieh dir die Nähte an. Sie sind mit Overlock oder Flatlock genäht, die beide dieselbe eingebaute Reserve haben. Overlock legt den Faden in Schlingen um die Kante, und Flatlock legt ihn in ein flaches Muster. Beide bewegen sich mit dem Stoff. Sieh dir Unterhosen aus Bambus für Herren und Bambus-Sweatpants für Damen an.
Ist ein breiter Zickzack besser
Nein. Ein breiter Zickzack zieht den Stoff zusammen. Ein bis zwei Millimeter reichen. Die Breite bestimmt, wie stark der Stoff zur Seite gezogen wird, und zu viel ergibt eine wellige Naht, die schief aussieht und sich schwer wieder glatt legen lässt. Bleibe bei einem schmalen Zickzack und passe stattdessen die Länge an.
Wann gerade Stiche bei Strick gehen
An einer Kante, die nicht gedehnt wird, wie einer Tasche, kann ein gerader Stich gehen. Dasselbe gilt für eine Stelle, an der eine weitere Stofflage den Strick an Ort und Stelle hält, wie ein eingelegter Rand. Bist du unsicher, nähe trotzdem mit Zickzack, denn er macht nie Probleme, wo ein gerader Stich sie machen kann.
Handnähen folgt demselben Prinzip
Beim Handnähen gilt dasselbe Prinzip. Lass dem Faden zwischen den Stichen Luft, damit er dem Stoff folgen kann, wenn er sich dehnt. Nähe nicht straff und vermeide es, den Faden nach jedem Stich fest zu ziehen. Eine handgenähte Naht mit Luft hält gut, während eine straffe beim ersten Anziehen platzt.
So probierst du dich heran
Nähe ein Stück an einem Stoffrest und ziehe daran, damit du siehst, ob die Naht mit dem Stoff nachgibt. Ist die Naht straff oder reißt der Faden, erhöhe Breite oder Länge des Zickzacks. Liegt die Naht flach und gibt nach, stimmen die Einstellungen, und du kannst mit dem Kleidungsstück beginnen.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein breiter Zickzack besser als ein schmaler?
Nein. Ein breiter Zickzack zieht den Stoff zusammen, und die Naht wird wellig. Ein bis zwei Millimeter reichen, und du kannst stattdessen die Länge anpassen, wenn du mehr Reserve brauchst.
Kann man irgendwo gerade Stiche bei Strick verwenden?
An einer Kante, die nicht gedehnt wird, wie einer Tasche, kann es gehen. Bist du unsicher, ist Zickzack die sichere Wahl, denn er macht keine Probleme, wo ein gerader Stich sie machen kann.
Und beim Handnähen?
Dasselbe Prinzip. Lass dem Faden zwischen den Stichen Luft, damit er dem Stoff folgen kann, wenn er sich dehnt. Nähe nicht zu straff und ziehe den Faden nicht nach jedem Stich fest an.
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